Züri Gschnätzlets – im Aargau gekocht

Heute wird ein Zürcher Klassiker im Aargau gekocht.

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Zürcher Geschnetzeltes mit einer Butterrösti. Ein Züri Gschnätzlets wird immer mit Kalbfleisch zubereitet. Alle anderen Zubereitungen wie zum Beispiel mit Schweinefleisch werden „Nach Zürcher Art“ genannt.
Ich persönlich verwende für das Züri Gschnätzlets im normal Fall eine Kalbsnuss.

Heute jedoch verwende ich Kalbsfilet.

Dafür verwende ich die Filetspitzen. Ab und zu kaufen ich Kalbsfilet, wenn dies der Fall ist, dann ein ganzes Filet. Daraus schneide ich die Medaillons und der Kopf und die Spitzen pariere und schneide ich in Streifen für Geschnetzeltes. Die Streifen werden Vakuumiert und tiefgefroren. Bei Bedarf kann ich dann auf den Vorrat zurückgreifen.

Zürich besteht darauf die Heimatstadt des berühmten Geschnetzeltes zu sein, was jedoch in keiner Geschichte ersichtlich ist.

Wer hat`s erfunden?

Vor langer nicht genannter Zeit bildeten sich Legenden über die Erfinderstadt des „Emincé de veau“.
Nicht wohlgesinnte Zeitgenossen behaupten gerne, dass die Einwohner der Zwinglistadt gar nicht die finanziellen Mittel gehabt hätten um ein Kalbfleischgeschnetzeltes an einer Weinrahmsauce zu erfinden.

Das Nationalgericht.

Grundsätzlich sollte es egal sein und ich lasse diese Legenden vorab weg. Ist es nicht so, dass ein Züri Gschnätzeltes oft und gerne bestellt wird, weil es einfach so toll schmeckt?
Ich würde das Züri Gschnätzeltes als ein Schweizer Nationalgericht bezeichnen. Ein Kalbfleischragout mit oder ohne Kalbsnieren. Die Bezeichnung „Ragout“ ist im Grunde auch nicht ganz korrekt. Das Züri Gschnätzeltes wird in feine längliche Stücke geschnitten und zwar von Hand. Also bitte keine grossen Würfel wie bei einem herkömmlichen Ragout.

Hohes qualitatives Fleisch erwünscht.

Über die Qualität des Fleisches wird auch oft diskutiert. Einige Köche verwenden das Fleisch vom Stotzen oder vom so genannten falschen Filet. Einige verwenden auch Unterspälte oder die Nuss. Klar ist jedoch, dass das Züri Gschnätzeltes ein „a la minute“ Gericht ist. Demnach muss das Fleisch eine hohe Qualität besitzen. Das Fleisch wird nur kurzgebraten, da braucht es ein zartes Stück. Idealerweise sollte es rosa und saftig serviert werden.

Regelmässig diskutiere ich mit Berufskollegen darüber, ob nun Kalbsnierchen hinein gehören oder nicht. Was ist Original, mit oder ohne?

Was ich mit Bestimmtheit weiss, es weiss keiner so genau.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass Kalbsnieren dazu getan wurden um das Gericht erschwinglicher zu machen. Eigentlich sehr erfinderisch, das teure Kalbfleisch mit billigen Kalbsnieren zu ersetzten.

Die Beilage „Rösti“.

Ist die Rösti die ideale Beilage zum Züri Gschnätzeltes?
Schmecken tut sie ja, die Rösti. Was jedoch für mich wenig Sinn macht, wieso ein schwergewichtiger Kalorienhammer ausgerechnet zu einer ebenso gehaltvollen sämigen Rahmsauce gereicht wird. Sinn hin oder her. Hauptsache es schmeckt.

Wie es so oft ist, in der Geschichte der kulinarischen Herkünfte, keiner weiss genau…

Was ich aber mit Sicherheit weiss, was in mein Rezept rein kommt.

Züri Gschnätzeltes

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Zutaten für 4 Personen

600 g Kalbsfiletspitzen
10 g Weissmehl
10 g Rapsöl
5 g Gewürzsalzmischung für Fleisch
Für die Sauce
30 g Butter
1 kleine Zwiebeln, geschält
200 g Champignons, frisch, gerüstet
120 g Weißwein
160 g Braune Kalbsbrühe
200 g Vollrahm
5 g Petersilie oder Schnittlauch
Salz und Pfeffer

Zubereitung

Zueri_Geschnetzeltes (14)Zueri_Geschnetzeltes (15)Zueri_Geschnetzeltes (16)Zueri_Geschnetzeltes (19)Zueri_Geschnetzeltes (21)Zueri_Geschnetzeltes (23)Zueri_Geschnetzeltes (24)Kalbsfiletspitzen in längliche Streifen schneiden.
Zwiebeln fein hacken.
Champignons abbürsten und in Scheibchen schneiden.
Petersilie waschen, zupfen, trockentupfen und fein hacken.
Die Kalbsfiletstreifen leicht mit Weissmehl bestäuben.
Das Rapsöl erhitzen, die Filetstreifen würzen und darin sautieren.
Herausnehmen und die Butter beifügen.
Die Zwiebeln gut andünsten und die Champignons beigeben.
Weiter dünsten und mit Weisswein ablöschen und um die Hälfte einkochen lassen.
Mit Weißwein ablöschen und auf die Hälfte einkochen lassen.
Kalbsfond, Fleischsaft und Rahm dazu geben und zur gewünschten Dicke einkochen.
Kurz vor dem servieren das Fleisch beigeben ohne weiter zu kochen.
Nach belieben kann noch geschlagener Vollrahm darunter gehoben werden.
Abschmecken, anrichten und mit der gehackten Petersilie oder dem Schnittlauch bestreuen.

Butterrösti

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Zutaten für 4 Personen

600 g Kartoffeln
60 g Butter
Salz, Pfeffer und etwas Muskat

Zubereitung

Zueri_Geschnetzeltes (10)Zueri_Geschnetzeltes (11)Zueri_Geschnetzeltes (12)Zueri_Geschnetzeltes (13)Zueri_Geschnetzeltes (18)Die Kartoffeln in der Schale im Salzwasser kochen. Die Kartoffeln sollten knapp gar sein.
Abschütten und kurz abschrecken mit kaltem Wasser. Im warmen Zustand schälen.
Kalte Kartoffeln mit einer Röstiraffel grob reiben.
Geriebene Kartoffeln mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen.
In einer heissen Pfanne die Butter zerlassen, die Kartoffeln dazu geben. Gleichmäßig sautieren und zu einem Kuchen formen.
Beidseitig goldgelb knusprig braten, anrichten und mit einem Butterpinsel überglänzen.

Es lohnt sich die Rösti in kleinen Pfannen, Portionenweise zu braten. Sieht einfach hübscher aus. Die einzelnen Rösti`s können im Backofen bei 80 Grad gut warm gehalten werden.
Ich persönlich verwende beim überglänzen der Rösti eine Nussbutter. Eine Nussbutter wird aus herkömmlicher Butter hergestellt. Man zerlässt die Butter in der Pfanne. Lässt sie braun werden bis sie Nussig riecht. Nicht schwarz werden lassen. Zwar gab es früher „Beurre noire“ aber heutzutage wird die schwarze Butter kaum noch verwendet. Ernährungswissenschaftlich sehr ungesund und es soll ja auch schmecken!

Schmecken tut das Züri Gschnätzlets uf jedä fall.

En guetä

Euer
Roger


Apfelkuchen im Mürbeteig

IMG_0692Die gute alte „tarte aux pomme“

Wie oft durfte ich diesen Klassiker schon backen. Noch immer bereitet sie mir Freude bei der Zubereitung. Es ist nicht nur der Duft, der aus dem Ofen einem in die Nase steigt, sondern auch das Wechselspiel zwischen der Süsse und der Säure.

Der zarte Apfel, die samtig weiche Füllung und der knusprige Boden mit der herrlichen Glasur. Das sind in etwa die Charaktereigenschaften eines Apfelkuchens.

Ich stamme aus dem Thurgau, (CH) auch Mostindien genannt und liebe natürlich Äpfel. Kenne ja nicht anderes, ausser vielleicht noch Erdbeeren. 🙂

Was für eine Apfelsorte bevorzuge ich beim backen von Apfelwähe?

Ein Apfel der folgende Eigenschaften mit sich bringt.
Dunkelrote, grosse, saftige Frucht mit säuerlichem Geschmack und hervorragender Koch- und Backqualität. Reif ab Ende September, im kühlen Keller haltbar bis Mitte Januar.

Ich spreche hier über den Boskop.

Ein fantastischer Apfel, uralt und so authentisch wie kein anderer. Urchig, nicht der schönste, obschon sein traditioneller Name „Schöner von Boskoop“ etwas anderes aussagt. Benannt nach dem niederländischen Ort, wo er 1856 als fruchtenden Trieb eines Wildlings entdeckt wurde. Aufgrund seines niedrigen Allergengehalts ist der Boskop auch für manche Apfelallergiker geniessbar.

Der Grundbaustein des Apfelkuchens, der Boden.

Ich persönlich verwende einen Zuckerteigboden. (Mürbeteig)

Zuckerteig

Zutaten (reicht für eine 26 cm Form)

Es bleibt noch etwas Teig übrig, der kann sehr gut in einem Gefrierbeutel eingefroren werden.

375 g Mehl
190 g Butter
130 g Zucker
2 Eier
1 Prise Salz

Zubereitung

Mehl und Butter miteinander zerreiben, wie bei einem geriebener Teig. Salz, Zucker und Eier dazu. Gründlich zu einem geschmeidigen Teig kneten. Nicht allzu lange kneten, da der Teig zu verbrennen droht. Das merkt man, wenn man ein wenig Teig in den Mund nimmt und es brennt leicht auf der Zunge.

Kuchenguss

Zutaten

2 Eier (je ca. 50 g)
1,5 dl Milch
1 dl Rahm
1 EL Speisestärke
2 EL Zucker
1 Vanille ausgekratzt

Zubereitung

Alle Zutaten mit einem Pürierstab oder Schneebesen gut verrühren, sprich mixen.

Die Äpfel

Zutaten

7 Äpfel (Boskop)
für eine Backform mit ca. 230 g Teig

Aprikosengelee

Der Aprikosengelee wird im heissen Zustand auf den fertig gebackener Kuchen gepinselt. So erhält die Tarte ein schöner Glanz und ist länger haltbar.

Zutaten

300 g Aprikosen
2 EL Zitronensaft nach Bedarf
300 g Gelierzucker 1:1

Zubereitung

Die Aprikosen waschen, entsteinen und in Stücke schneiden. In einer Kasserolle mit dem Zitronensaft weich kochen. Mit dem Pürierstab fein pürieren und Gelierzucker dazugeben.
Das ganze etwa 3-4 Minuten kochen lassen. Der Gelee sollte nicht zu flüssig sein.

Die Zusammenstellung der Zutaten bis zu einem herrlichen Apfelkuchen zeige ich Euch hier noch in einem kleinen Trailer.

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Viel Spass beim anschauen und noch mehr Spass, beim nachbacken.

Lieber Gruss

Euer Roger


Rote Thai Curry Suppe mit Jakobsmuscheln

Thai_Curry_Suppe (19)Die Lieblings – Suppe meiner Frau.

Aus einer Boulevard Zeitschrift

Vor einigen Jahren kam meine Frau nach Hause und hatte eine Boulevard Zeitschrift in der Hand. An den Namen mag ich mich nicht mehr erinnern. In der Zeitschrift ging es nicht um einen neuen Haarschnitt oder irgendwelche Handtaschen. Nein der Hauptteil des „Heftli`s“ (Zeitschrift) beinhaltete Rezepte.

Tim Mälzer

Eines der Rezepte war eine Curry-Suppe mit Jakobsmuscheln gekocht von Tim Mälzer. Meine Frau bat mich dieses Rezept mal nach zu kochen. Zu diesem Zeitpunkt fand ich Tim Mälzer eine lausige Kopie von Jamie Oliver und war nicht gerade begeistert, ein Rezept von ihm zu kopieren. Jedoch dem Charme meiner Frau konnte ich noch nie widerstehen. Also bekochte ich sie mit einem Rezept von Tim Mälzer.

Der Einkauf

Mein Schatz besorgte mir die Zutaten und ich motivierte mich los zu legen mit der Zubereitung der Suppe. Ich hielt mich ganz genau an das Rezept, falls die Suppe nix wird, dass ich die Schuld abtreten konnte an Tim. Dem war aber nicht so. Das Rezept war de Hammer. Das habe ich auch Neidlos zugegeben mit dem Kommentar: „Ja, nöd schlächt“. (Nicht schlecht) 😉

Aufnahme in die Kartei

Der Zeitschriftenbeitrag wurde also in die Rezeptsammlungen mit aufgenommen. Jedoch irgendwie habe ich das Original „verhühnert“. (verloren) Ich bin darin ein Spezialist. Mit meinem Ordnungswahn passiert es oft, dass ich Reklamen, Zeitungen, Broschüren und Notizen in Altpapier gebe und nachher meine Frau mich fragt: „Schatz, hast Du den Artikel bla gesehen?“ Meine Antwort natürlich: Nein, habe ich nicht gesehen“.

Dazu gelernt

Zur Klarstellung muss ich mir aber auf die Schultern klopfen. In den letzten Jahren habe ich dazu gelernt. Es passiert kaum noch, dass irgendetwas ins Altpapier wandert, dass nicht dort hin gehört. Nun hilft das wenig, denn das Rezept habe ich nie mehr gefunden. Habe zwar im Internet jede Menge Rezepte gefunden, die ähnlich sind und von Tim Mälzer sein sollen, aber meine Frau sagt bis heute: „Nein mein Liebster, das ist nicht das Rezept, es schmeckt nicht wie das Original“.

Eigene KreationThai_Curry_Suppe (4)

Also habe ich in den Jahren halt irgendwie unser eigenes Rezept entwickelt. Die rote Thai Curry Suppe mit Jakobsmuscheln von „Familie Warna“

Das Rezept möchte ich hier auch nicht vorenthalten.

Rote Thai Currysuppe mit Jakobsmuscheln

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Zutaten

30 g frischer Ingwer
2 Zitronengrasstengel
1 rote Chilischote
3 El Sesamöl
2 El rote Currypaste
2,5 dl Kokosmilch
2 dl Sahne
8 dl frische Hühnerbrühe
40 g geröstete Erdnüsse
4 El Limettensaft
1 El Fischsauce
2 stk Thai-Basilikum oder Koriander zum garnieren
Kefirblätter
4 stk Jakobsmuscheln
etwas Sesammehl
1 El Kokosfett
Salz, Pfeffer und eine Prise Zucker

Zubereitung

Vorbereitung

Ingwer
Ingwer schälen und in Julienne (feine streifen) schneiden.
Zitronengras mit dem Messerrücken kräftig zerdrücken und fein schneiden.
Erdnüsse in einer beschichteten Pfanne ohne Fettstoff rösten. Geht auch in einer feuerfesten Form im Ofen.
Die Chili entkernen und fein haken.

Ein wenig Sesamöl, etwa 3 Esslöffel in einer geeigneten Kasserolle erhitzen. Ingwer, Zitronengras, Chili und die Erdnüsse darin leicht andünsten.

Rote Currypaste dazu geben und weiterhin das ganze anschwitschen.

Nach ca. 5 Minuten mit der Kokosmilch ablöschen. Sahne und Hühnerbrühe dazu geben und etwas einkochen lassen. In etwa 10 Minuten auf mittlerer Hitze. Danach die Kefirblätter dazu geben und mit der Fischsauce und Limettensaft abschmecken.

Die Suppe nach eigenem Gusto einreduzieren, bis sie die gewünschte konsistenz hat.

Die Jakobsmuscheln mit einem Küchentuch abtupfen und beidseitig mit Salz und Pfeffer würzen.
Im Sesammehl wenden und in der Kokosbutter beidseitig etwa 3 Minuten anbraten. Die Jakobsmuschel sollte in der Mitte warm sein, jedoch noch glasig.
Die Suppe anrichten und die Jakobsmuschel darin servieren.

Zitronengras

 

Tipp`s und Trick`s

Das Sesammehl kann in einem Mörser selber hergestellt werden. Sesam einfach im Mörser zu Mehl zerreiben.
Die Jakobsmuscheln können auch auf schräg angeschnittene Zitronengrasspiesse gesteckt werden.

Jakobsmuschel_ZitronengrasKefirblätter
Falls keine Kefirblätter zu bekommen sind, können sie auch mit Limettenabrieb ersetzt werden.
Kokosbutter darf auch mit Sesamöl ersetzt werden.

 

 

 

Dafür gibt es von meiner Frau:

Oscar 4

Wie viele Oskar`s bekommt das Rezept von euch?

Schreibt mir doch eure Bewertung in einem kurzen Kommentar. Bin gespannt was ich besser machen kann und was gewünscht und gebraucht wird.

Viel Spass beim schlürfen.

Euer Roger

Demnächst hier auf diesem Blog!

Schottischer Lammrücken auf…

Lammrücken


Mousse au chocolat – in Szene gesetzt

Schokoladenmousse nicht alltäglich präsentiert.20131124_47

Langweilig, dennoch unerreicht.

Wir haben Gäste eingeladen und wie es als Gastronom so üblich ist, möchte ich mich von der besten Seite zeigen. Als Dessert habe ich ein langweiliges Mousse ausgesucht. 🙂

Schneller geht`s nicht.

Es gibt tausende von Rezepte im Netz. Aus diesem Grund konzentriere ich mich heute in meinem Beitrag nicht hauptsächlich um das Rezept. Natürlich veröffentliche ich das Rezept, den es ist das schnellste Mousse der Welt.

Die Entstehung.

Entstanden ist das Mousse im Hotel zum Storchen in Zürich. Eines Abends war salopp gesagt die Hütte wiedermal voll. Alle Tische reserviert. Damals war ich Chef Patissier und mein Order für den Abend war klar. Alle Kühlhäuser müssen voll sein. Also nix mit „Zimmerstunde“ sondern „Mise en place“ also Vorbereitungen machen. Produzieren was das Zeug hält, damit wir am Abend parat für die Bestellungen sind.

Es kommt immer anders als man denkt.

Wie so oft im Leben.  Der Bestellbon-Drucker ratterte ununterbrochen. Wir waren richtig im „Seich“ (Stress) Langsam aber sicher gingen uns die Desserts aus. Was nie ausgehen darf, war das „Mousse au cocolat de la cigone“, unsere Storchenspezialität.

Kurz vor weg.

In fasst jeder Patisserie steht ein Backofen. Also so ein richtiger Backofen. Nicht einer mit Dampf und weiß Gott was für Programme. einfach ein Backofen, der stetig auf 230 Grad eingestellt war. Auf dem Backofen drauf standen immer Schüsseln mit Schokolade. Die Schokolade hatte immer durch die abgehende Wärme eine konstante Wärme von 32 Grad. Somit war die Schokolade immer geschmolzen. Die brauchten wir für Garnituren etc. immer flüssig bereit.

Zu faul um von Hand zu schlagen.

Ebenfalls steht in jeder grösseren Patisserie eine Sahnemaschine, die auf Knopfdruck geschlagene Sahne ausspuckte. 🙂 Nichts mit von Hand schlagen.

Die Ruhe in Person.

Zurück zum Horror Abend mit über 120 Dessert Bestellungen. Mein Stellvertreter war total aufgebracht und schrie in der Patisserie herum. „Das Mousse ist aus, das Mousse ist aus.“ Als Chef musste ich natürlich Ruhe bewahren und griff sofort in das Geschehen ein.

Fazit der ganzen Geschichte.

In nur 7 Minuten hatte ich ein Mousse au chocolat serviert. Die Zutaten die ich zusammen geführt hatte noch im Kopf. Als das ganze Spektakel vorbei war, am nächsten Tag nahm ich mir das Rezept mal in Ruhe durch. Ich perfektionierte die Zusammenstellung und probierte, experimentierte und voilà, das schnellste Mousse der Welt war geboren.

Übrigens, in all den vergangen Jahren wurde das Rezept von sehr vielen Patissier`s und auch Köchen mit Erfolg weiter verwendet.

Das Mousse wird von mir in einen Schokoladen – Hohlkörper gefüllt und garniert.

In einem kleinen Trailer zeige ich Euch, wie so ein Hohlkörper hergestellt wird.

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Schneller geht`s kaum noch.

Wie jedoch versprochen präsentiere ich doch noch das Rezept für das schnellste Mousse der Welt.

Mousse au chocolatSchokoladen Mousse mit Fruchtcoulis und Japonaise

Zutaten für 4 Personen

100 g Kuvertüre oder Zartbitterschokolade

6 g Destillat nach eigener Wahl

20 g Vollei

8 g Eigelb

240 g Sahne

Zubereitung

Kuvertüre fein haken und in einer Schüssel im Wasserbad zum schmelzen bringen. Funktioniert auch in der Mikrowelle. Bei höchster Stufe 1/2 Minute, raus nehmen, verrühren und den Vorgang solange Wiederholen bis die Schokolade geschmolzen ist und eine Temperatur von 36 Grad hat.

Die Sahne steif schlagen und kühl stellen. Sie darf nicht allzu steif geschlagen sein.

Das Eigelb, Ei und Destillat kurz schaumig schlagen. Mein Favorit ist Orangen Likör.

Eigemisch unter die flüssige Schokolade rühren. Solange rühren bis die Masse glänz und geschmeidig ist.

Danach die geschlagene Sahne vorsichtig unter heben. So behutsam, dass die Luft in der Sahne bestehen bleibt.

Das Mousse kalt stellen und nach Wunsch weiter verwenden. Zum Beispiel wie ich es gemacht habe.

Das Mousse kann auch mit Zimt verfeinert werden, jetzt aktuell in der Weihnachtszeit.

Ich wünsche Euch viel Spass beim Nachkochen und gutes gelingen.

Ich habe es auch diesmal nicht sein lassen können.

Fotoserie

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Kaffeeschaumsuppe

Weisse Kaffeeschaumsuppe, außergewöhnlich, aber verdammt lecker.

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Nicht nur für Kaffeeliebhaber, sondern auch für solche Genießer die lieber Tee trinken statt Kaffee.

Wie komme ich dazu eine solch untypische Suppe zu kreieren?

Eigentlich ganz einfach. In meiner Patissier Zeit (schon eine Weile her) kreierte ich ein weißes Kaffee Eis, weil ich die Schnauze voll hatte immer das Mocca-Glace meinen Gästen zu servieren. Es war in den 80ziger als ich in der Zimmerstunde, so nennt man die Pause zwischen Mittagservice und Abendservice in der Gastronomie. Sicherlich allen bekannt. 🙂 Also in der Zimmerstunde überlegte ich mir, wie kriege ich diese dämliche Farbe aus dem Kaffee?

Experimente wie das arbeiten mit Kaffee Essenz war eine Alternative. Es gab ja Erdbeeren, Himbeeren, Zitronen und allerlei Essenz. Nur 1986 sah es ein wenig anders aus. Ich kriegte nirgendswo Kaffee Essenz. (Farblos) Ich versuchte es mit wenig Pulver, wenig Kaffee, löslicher Kaffee…

Wollte eigentlich schon aufgeben, als ich zu Hause bei meiner Mutter einen Kaffee trinken wollte und kein gemahlener Kaffee mehr in der Dose war. Zur Erklärung, in den 80ziger hatte noch nicht jeder Haushalt ein Nespresso Vollautomat. 🙂 Wir auch nicht. Unser Kaffee entstand noch mittels Filter. Ich nahm die ganzen Kaffeebohnen und ab in die Mühle zum mahlen. Als ich die Kaffeedose aufmachte steig ein unwiderstehlicher Geschmack in meine Nase. Wundbarer Kaffeeduft einfach unglaublich.

Ich dachte mir, wie kriege ich dieser Duft in eine Glace, in eine weisse Glace?

Da kam mir die Idee, warum diese Bohnen nicht einfach in Milch einlegen, damit der tolle Kaffeegeschmack in die Milch übergeht. Habe es gleich ausprobiert und wie gehofft, die Milch nahm den Geschmack nach 2 Tage vollumfänglich an.

Die Milch beinahe weiss in der Farbe, aber Kaffee im Geschmack. Die Milch habe ich dann durch ein Sieb gegossen, damit ich die Kaffeemilch als Basis für das weisse Kaffeeeis brauchen konnte.

Diese Geschmacksumwandlung verwende ich auch Heute für die weisse Kaffeeschaumsuppe.

Habe ich euch neugierig gemacht? Super, dann gleich ab zum Rezept

Weisse Kaffeeschaumsuppe

Zutaten für 4 Personen

25 g Butter
40 g Zwiebeln, geschält
40 g Lauch, gebleicht, gerüstet oder Fenchel
20 g Karotten
15 g Knollensellerie, geschält
600 g Kaffeemilch (300 g ganze Kaffeebohnen und 600 g Milch, 2 Tage eingelegt)
125 g Vollrahm, 35%
Salz
Saft von einer halben Zitrone
1 Kaffeelöffel Honig
Pfeffer, weiß, aus der Mühle

Zubereitung:

Das Gemüse zu einem Matignon (Feinblätterig) schneiden.

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und etwa 5 Minuten auf kleiner Flamme in Butter andünsten.
Je länger das Gemüse gedünstet wird, desto besser kommen die Aromen zum tragen.
Mit der Kaffee – Milch ablöschen. Salz dazu geben und ca. 30 Minuten kochen lassen.
Mit der Sahne auffüllen und ein reduzieren, bis die gewünschte Dicke erreicht ist.
Durch ein Drahtspitzsieb passieren, nicht mehr aufkochen und abschmecken mit Zitronensaft, Honig und Pfeffer.
Kurz vor dem servieren mit einem Stabmixer (Zauberstab) die Suppe aufschäumen.

Tipp: Kurzgebratene Streifen vom Rind wie zum Beispiel Entrecote (Zwischenrippenstück) als Einlage servieren. Dabei darf das Rindfleisch ruhig etwas scharf gewürzt sein.

Viel Spass beim nachkochen und schreibt mir, wie es Euch geschmeckt hat.

Dafür gibt es von mir:

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Wie viele Chili`s bekommt das Rezept von euch?

Schreibt mir doch eure Bewertung in einem kurzen Kommentar. Bin gespannt was ich besser machen kann und was gewünscht und gebraucht wird.

En guetä

Euer Roger