Grundlagen der Küche – Teil 5


Im 5. Teil meiner Serie behandle ich eine Grundlage, die grundlegender nicht sein kann.

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Der alt bekannte Vergleich: Wer ein Haus bauen möchte, sollte dies auf einem soliden Fundament tun. Das gleiche gilt für eine schmackhafte Sauce.

Ich spreche hier vom „flüssigen Gold“, dem Kalbsfond, genauer gesagt vom braunen Kalbsfond. In den meisten Haushaltungen spielt der Kalbsfond kaum mehr eine Rolle.

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Heutzutage ist es kaum noch möglich an der Metzgertheke 2 Kg Kalbsknochen zu kaufen. Man muss schon zu ausgesuchten Metzgereien gehen, damit der Wunsch erfüllt werden kann, ein paar Knochen zu erwerben.

Ich selber habe unsere Dorfmetzger in Verlegenheit gebracht, als wir frisch hergezogen sind, mit meiner Frage nach Kalbsknochen und Füsse. Der Metzgermeister war sehr erstaunt darüber, dass ein kleiner, älterer Herr im Anzug (kam gerade von einem Termin) nach Knochen fragte.

Meine Frage richtete sich geradewegs auf die Herstellung eines Kalbsfonds, was der Meister noch mehr ins staunen brachte. Als es um das bezahlen ging, gleich die zweite Verlegenheit. Äh, was knüpfe ich nun dem Herrn ab, für ein paar Knochen? Das war bestimmt die Frage, die sich der Metzger in seinen Gedanken stellte. Seine Antwort war kurz und knapp; ist schon in Ordnung, Knochen kosten bei uns nichts.

Das konnte ich natürlich nicht annehmen. Also kaufte ich noch ein Schweizer Poulet, damit ich wenigstens mit einem Kassenbon nach Hause kam.

Wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr einen Metzger des Vertrauens, wo Ihr Knochen, Füsse etc. bekommt?

Mir war es nie so bewusst, dass es schwierig sein kann (muss nicht) Knochen, Fischgräte und sonstige Schlachtnebenprodukte zu bekommen. Bis anhin, habe ich diese Zutaten bei der Grossmetzgerei ins Geschäft bestellt und auch dort die Fond`s zubereitet, abgekühlt, vakuumiert, bezahlt und nach Hause genommen.

Seit ich jedoch die Rezepte zu Hause zubereiten in einer realen, heimischen Umgebung, mache ich es genau wie jeder Haushalt auch. Das war eine sehr grosse Herausforderung! Ihr lacht jetzt sicher, aber ein Koch, der zu Hause kocht, oh lieber Gott…

Am Anfang sah die heimische Küche aus. Nicht weil ich nicht kochen konnte, sondern schlicht und einfach ALLES anders ist zu Hause. Da kam noch das Fotografieren und Filmen dazu. (lacht) Wie oft bin ich schon über das Stativ gestolpert und hätte beinahe meine Kamera zerstört.

Eigentlich geht es hier in diesem Artikel nicht um das Chaos und die Verwüstungen die ich in unserer Küche verursacht habe, 🙂 (Wäre zwar auch mal lustig, diese Anekdoten auf Papier zu bringen) sondern um den klassischen Kalbsfond.

Der Saucier, so nennt man den Koch, der für alle Fleischgerichte und Saucen zuständig ist. (In kleineren Küchen macht das der Chef)
Für den Saucier gibt es nichts heiligeres als die Grundsaucen. Die heiligste Version ist die braune Kalbsjus. Jeder Küchenchef behauptet von sich, er mache die beste Jus. (Ausser ich, ich mache die allerbeste Jus) 🙂

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Lange Zeit wurde der Kalbsfond aus den Küchen in der Gastronomie verbannt. (Nicht alle) Der Grund lieferte die Industrie. Der grosse Aufwand, die enormen Stromkosten und viel Abfall, verleiteten viele Köche dazu, die Industrieware zu benutzen.

Der Kostendruck grössere Caterer zwangen zum Teil auch die Küchenchef`s dazu. Jeder F&B Manager fragte sich natürlich, was soll das? Stundenlanges anbraten und über Nacht kochen lassen, dass man aus 10 kg Knochen nicht einmal 10 lt. fertige Sauce bekommt. Ausserdem ist ein ganzer Kippkessel (Sehr grosse eingebaute Bratpfanne) für 20 Stunden blockiert. Geschweige die Entsorgung der Knochen.

Viel einfacher, schneller und (leider) billiger geht es mit der Tüte. 😦 Niemand spricht da von Geschmack, vom angefixt werden an die tollen Geschmachsverstärker und so weiter.

Ende der 90ziger galt es eine Umerziehung in der Gastronomie durch zu ziehen. Viele Küchenchef`s wollten einfach keine Tüten und Dosen mehr verwenden. Und ich spreche hier nicht von Gourmet-Restaurants, sondern von den Gross-Restaurants und vielen Gasthöfen. Die Geschmacks – Erziehung richtete sich aber auch an unsere Gäste!

Ich bin nicht der einzige, der die Erfahrung gemacht hat, dass ein Gericht ohne fertige Würzmischung nicht so gut ankam. Ein frisches Creme Karamel, dass roch komisch. (Aussage der Gäste)
Die Bratensauce mundete mir zu Hause aber besser.

Kein Wunder, die Glutamatkinder von einst, kennen gar keine anderen Geschmäcker mehr.

Heute ist das alles Vergangenheit. Zumindest hier und jetzt und für immer. 🙂

Der braune Kalbsfond

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Zutaten 2,5 Liter Fond

25 g Erdnussöl
2000 g Kalbsknochen
500 g Kalbsfüße (Roger nimmt keine)
400 g Mirepoix, bunt (http://de.wikipedia.org/wiki/Mirepoix)
100 g Tomatenpüree
500 g Weisswein (Roger nimmt Rotwein)
3500 g Wasser
20 g Salz
1 Gewürzsäcklein
10 g Thymian, frisch
10 g Majoran, frisch

Zubereitung

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Die Kalbsknochen möglichst klein hacken, oder hacken lassen vom Metzger des Vertrauens.

Gewürzsäcklein aus Pfefferkörnern, Gewürznelken, Thymian, Lorbeer, Rosmarin, Thymian und Majoran bereitstellen. Ich nehme dazu ein Teeei.

Grosses Bratgeschirr, damit die Knochen sich darin wohl fühlen mit Erdnussöl ausgiessen und erhitzen.

Kalbsknochen langsam braun rösten. Dies kann bei kleiner Hitze schon bis zu einer halben Stunde dauern.
Mirepoix beigeben und mitrösten.
Fettstoff ableeren und entsorgen.
Tomatenpüree beigeben und mitrösten.
Weisswein (Roger nimmt Rotwein) zugeben und vollständig einkochen lassen.
Mit Wasser auffüllen und zum Siedepunkt bringen, Salz beigeben.
Öfters abschäumen und abfetten. Der Fond braucht viel liebe und Pflege. 🙂
6-8 Stunden am Siedepunkt sieden lassen.
Während der letzten Stunde das Gewürzsäcklein beigeben.
Abschmecken, durch ein Passiertuch passieren und nochmals abfetten.
Zur weiteren Verwendung rasch abkühlen.

Die ausgekochten Knochen können nochmals mit Wasser aufgekocht werden. Das nennt sich „Remuage“ und wird in der Profi-Küche gemacht um restlos alles aus den Knochen und Gemüse zu holen. Die Remuage wird dann eingekocht und dem Kalbsfond beigegeben.

Hinweise für die Praxis

Klein gehackte Knochen bewirken eine größere aroma- und farbgebende Röstfläche; der daraus entstehende Fond hat eine schönere Farbe und einen intensiveren Geschmack. Für das Anrösten der Knochen im Umluftofen wird kein Fettstoff benötigt. Stiele von frischen Kräutern sowie Tomatenabschnitte können dem Fond individuell beigegeben werden.

Der Grundstein für tolle Saucen ist nun gelegt

Eine weitere Ableitung ist die Demi-glace. Die gleiche Zubereitung wie bei der Kalbsjus, nur wird die Demi-glace mit Mehl gebunden und mit einer braunen Kalbjus, statt Wasser aufgefüllt.

Wer einmal eine selber gemachte Kalbsjus probiert, der wird kaum noch die überteuerten Fond`s im Glas kaufen. Schon alleine, wenn man die Zutaten auf den Gläser mal genauer betrachtet, sollte es einem einleuchten, dass selbstgemacht immer das beste ist.

Fond

Zutaten: Wasser, Kalbsbrühe (Wasser, Kalbsfleisch, Salz), Maltodextrin, Hefeextrakt, Dextrose, Aromen.

Einmal im Monat zelebriere ich einen braunen Kalbsfond. Die hälfte wird Tiefgefroren und die andere Hälfte so lange eingekocht, dass ich eine sirupartige Paste (Glace de viande) bekomme. Heiss abgefüllt in Eiswüfelschablonen und ab in den Kühlschrank. So habe ich immer eine Grundsauce zur Hand. Muss die Glace de viande nur noch mit Wasser oder Wein aufsetzten, abschmecken je nach der Wunschsauce und fertig ist.

Ich hoffe ich konnte Euch heute etwas motivieren, Euren Metzgermeister ein wenig in Verlegenheit zu bringen. (Vielleicht auch nicht)

Übrigens, eine braune Kalbsbrühe, hübsch in ein Glas gefüllt und beschriftet, ist ein tolles Geschenk für Kochbegeisterte. 🙂

Sauce gut alles gut

Euer

Roger


Engadiner Kotelett vom Schwein


Engadiner Schweinekotelett

Engadiner_Schweinekotelett (26)Was ist ein Engadiner Schweinekotelett? Das wusste ich auch nicht bis ich meinem Kotelett diesen Namen gab.
Es gibt natürlich kein Engadiner Schweinekotelett, aber der Name hat mir auf Anhieb gefallen.
Mein Schweinekotelett habe ich mit Baumnüsse gefüllt und da die köstliche Nusstorte ebenfalls mit Baumnüsse gemacht wird, habe ich einfach mal den Namen etwas missbraucht. Mögen die Engadiner es mir verzeihen.

Wir hatten noch einen kleinen Vorrat an Baumnüsse in einer Aufbewahrungsbox die ich loswerden musste, bevor sie hinüber sind. Sie sind Hand gelesen aus unserem Dorf. Der Vorrat reicht nicht mehr für eine Engadiner Nusstorte. Die hätte ich eigentlich sehr gerne gebacken.

Es blieb mir nichts anderes übrig, als etwas anderes daraus zu machen. Da ich zwei schöne Schweinekoteletts entdeckt habe bei meiner Metzgerei, überlegte ich mir, was könnte ich mit diesen Koteletts machen.

Bei mir funktioniert das Kreative immer in der gleichen Art. Ich stelle mir einen Warenkorb zusammen und kombinieren dann im Kopf, was ich machen könnte. Irgendwie habe ich diese Gabe seit meiner Lehrzeit. Ich sehe Zutaten und dann fange ich an zu kreieren.

Heute waren Zutaten wie Kartoffel, Karotten, Baumnüsse, Zwiebeln, Knoblauch in meinem Warenkorb.

Also lege ich mal los.

Engadiner Schweinekotelett

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Zutaten für 4 Personen

4 Schweinekotelett
80 g Baumnüsse
1 Knoblauchzehe
40 g Zwiebeln
6 g Petersilie
35 g Parmesan
2 Eigelb
1 Essl. Honig
etwas Salz und Pfeffer aus der Mühle

Marinade
20 g Senf
20 g Ketchup (Hausgemacht)
1 Essl. Fleischgewürz (Hausgemacht)
1 Essl. Senfkörner

Zubereitung

Engadiner_Schweinekotelett (13)Zuerst vermenge ich Senf, Ketchup, Gewürze und Senfkörner für die Marinade.

Engadiner_Schweinekotelett (9)Ich schneide Taschen in das Kotelett.

Engadiner_Schweinekotelett (4)Für die Füllung hacke ich zuerst die Baumnüsse und röste sie dann leicht an in einer beschichteten Pfanne.
Die Zwiebel und der Knoblauch, sowie die Petersilie schneide ich fein.

Engadiner_Schweinekotelett (7)In einer Schüssel vermenge ich dann das gehackte mit dem Eigelb, Honig und mit frisch geriebenem Parmesan.

Engadiner_Schweinekotelett (10)Engadiner_Schweinekotelett (11)Die Taschen fülle ich nun mit der Nussfüllung. Mit zwei Zahnstocher nähe ich die Taschen zu, damit nichts auslaufen kann.

Engadiner_Schweinekotelett (15)Das Kotelette wird mit einem Pinsel eingestrichen und beiseite gestellt, damit die Marinade wirken kann.

Engadiner_Schweinekotelett (20)Das Kotelett wird nun in der Butter von beiden Seiten angebraten und im Ofen bei 80 Grad etwa 40 Minuten Niedergegart.

Engadiner_Schweinekotelett (22)Das Kotelett lege ich auf ein umgekehrten Teller, damit der Saft herunter laufen kann. Es sollte verhindert werden, dass das Kotelett im eigen Saft gekocht wird.

Pommes Noisette

Engadiner_Schweinekotelett (27)Als Stärkebeilage serviere ich heute die berühmten „Pommes Noisette“.
Für die Nusskartoffel schäle ich etwa 8 Kartoffeln, mittelgrosse. Nehme ein Pariserlöffel zur Hand. Normalerweise hat ein Pariserlöffel zwei verschiedene Grössen. Für eine Nusskartoffel brauche ich die kleinere Kugel beim Ausstecher. Die grössere wäre für „Pommes Parisienne“ geeignet.

Engadiner_Schweinekotelett (12)Engadiner_Schweinekotelett (16)Engadiner_Schweinekotelett (24)Ganz einfach, Kartoffel schälen und Kugel ausstechen. Diese dreiviertel weichkochen in Salzwasser. Im Butter anbraten und abschmecken, fertig sind die Bratkugeln. 🙂

Übrigens die Resten der Kartoffel nicht wegschmeissen, einfach bedeckt mit Wasser in einer Schüssel aufbewahren und bei der nächsten Gelegenheit ein Pürée daraus machen, oder eine herrliche Suppe bei diesem Wetter.

Engadiner_Schweinekotelett (17)Als Gemüse serviere ich glasierte, tournierte Karotten.

Engadiner_Schweinekotelett (18)Dafür braucht es Karotten ein Sparschäler und ein Tourniermesser. Etwas Gemüsefond und Zucker, Salz und Blanchierwasser.

Jeder Profi-Koch lacht, wenn er meine Zeilen, sprich Bilder sieht. Zu Hause tourniere ich anders als im Geschäft.
Ich schäle die Karotte und schneide sie in 4 cm grosse Stücke. Diese viertle ich längs und schäle sie mit dem Sparschäler in die typische Form einer tournierten Karotte. Ich habe so einfach weniger Resten die ich irgendwie wieder verwerten muss.

Glasierte Karotten

Zutaten für 4 Personen

20 g Butter
450 g Karotten
5 g Zucker
Salz
45 g Gemüsefond

Zubereitung

Die Karotten schälen und in etwa 4 cm grosse Blöcke schneiden. Die nun vierteln und leicht abkanten. (tournieren)

Im Salzwasser blanchieren und im Eiswasser abschrecken.

Eine Sauteuse erhitzen, Butter dazu geben und die tournierten Karotten darin leicht dünsten.

Mit Zucker und Salz abschmecken.

Mit dem Gemüsefond ablöschen und zugedeckt weich dünsten.

Nach dem sich der Fond einreduziert hat durch Schwenken noch fertig glasieren.

Eine gelungene Kombination

Das füllen mit Baumnüsse ist nicht neu und auch nicht spektakulär. Es wertet jedoch das Schweinekotelett enorm auf und gibt dem Fleisch eine schmackhafte Note.

Das Niedergaren hat sich auch hier bewährt. Das Fleisch war saftig und butter zart.

Ich kann Euch die Nussfüllung nur empfehlen, auch für andere Fleischstücke. Ein Filet zum Beispiel, oder Nierstück. Zum überbacken, als Kruste ebenfalls geeignet.

Viel Spass beim ausprobieren.

Wie immer bin ich gwundrig, wenn Ihr was ausprobiert. Lasst mich es doch wissen und schreibt mir einfach, es würde mich freuen.

Vielen Dank

Euer

Roger